WOHNEN AM WASSER

WOHNEN AM WASSER

Gewässer ziehen Menschen seit jeher in den Bann und bis heute übt das Wasser eine besondere Faszination auf uns aus: Wasser ist etwas starkes und Unergründliches. Mit ihm ist die größte aller Sehnsüchte verbunden: die Sehnsucht nach Freiheit. Ob See, Fluss oder Meer: Wohnen direkt am oder auf dem Wasser stellt eine besondere Qualität dar. Wasser weckt die Erinnerungen an den letzten Urlaub, an Sonnenwärme und Wind.

All diesen Bedürfnissen kommen drei Formen von Wasserarchitektur unmittelbar entgegen: Häuser am Wasser, Häuser – die ganz oder teilweise im Wasser auf Pfahlgründungen stehen – und schließlich die sogenannten Floating Houses.

Doch nicht jede Stadt besitzt den Vorzug, wie Berlin, Hamburg oder Amsterdam von natürlichen Wasserwegen durchzogen zu werden. In einer Stadt wie München sind kaum Wassergrundstücke zu finden. Deshalb wurden dort die Seen im Umland zu begehrten Wohnlagen.

Der Trend vom Wohnen am Wasser ist kein Spleen von Individualisten. Vielmehr verbinden solche Projekte die individuellen Bedürfnisse von Wohnungssuchenden mit städtebaulichen Entwicklungen auf ehemaligen Industriebrachflächen und stellen vielen Städten einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung neuen Wohnbaulandes als Antwort auf das permanente Bevölkerungswachstum dar.

Berlin hat viele Wasserwege und Inseln, aber die wenigsten davon können dem Wohnen am Wasser dienen. Insofern ist die schmale, langgestreckte Humboldt-Insel zwischen Tegeler Fließ und altem Tegeler Hafen ein seltener Glücksfall. Häuser mit direktem Wasserzugang zeigen, wie der moderne Städtebau sich dem Wasser in neuer Form zuwendet. Statt des bloßen Blicks auf das Wasser sind die Häuser mit direktem Wasserzugang ausgestattet. Terrassen-Stege über der Wasserfläche samt Anlagemöglichkeit für ein Boot erschließen das Wasser in neuer Weise.

 

Innerhalb der Städte werden für den Traum vom Wohnen am Wasser immer neue Areale erschlossen. Speicherbauten und Fabriken am Wasser werden frei für eine Umnutzung, wenn ihre historische Funktion entfällt. Dabei kann sich ein Projekt wie StadtLandFluss an der Havel in Berlin-Spandau zunutze machen, dass das Industriezeitalter Bauten am Ufer hinterlassen hat, die einem neuen Wohnareal eine besondere Note verleiht.

 

 

Inzwischen ist das Thema Wohnen am Wasser so positiv besetzt, dass einige Entwickler Wasser in die Städte holen und so weit gehen, künstliche Seen anzulegen. Die Kosten solcher Maßnahmen sind natürlich vergleichsweise hoch, doch die Resonanz der Käufer und die Bereitschaft, für diese außergewöhnliche Wohnsituation am See in der Stadt einen deutlich höheren Kaufpreis zu zahlen, rechtfertigen diese Investitionen.

Wusste Sie schon?

Floating Houses werden nicht über ein klassisches Grundbuchblatt verfügen, sondern lediglich über die Anbindung der Medien und den Zugang zu Gemeinschaftseinrichtungen wie Parkplätze, Müllentsorgung und Gehwegen Bestandteil der Wohnungseigentümergemeinschaft sein. Unabhängig davon sind die schwimmenden Häuser im Schiffsregister registriert, weil sie sich nicht nur im Fall der Humboldt-Insel, sondern auch an den meisten anderen Standorten, die es weltweit für Floating-Houses gibt, im Bereich öffentlicher Wasserstraßen befinden und wie Schiffe bewegt werden können. Dementsprechend werden Sie wie Boote betrachtet bzw. eingestuft.

Wo liegt in Deutschland die Zukunft der Floating Houses?

Auffallend ist Ihr Erfolg im touristischen Segment: Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Atmosphäre werden sie an Standorten wie Seen oder Flüssen gerne für Kurzurlaube gebucht. Ob sie hingegen in großer Zahl, als Floating-Villages oder gar Floating-Cities zu einem Element des Städtebaus werden können, bleibt abzuwarten, da es dafür zumindest hierzulande an „bebaubarer“ bzw. frei verfügbarer Wasserfläche mangeln dürfte.


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